Sonntag, 31. Mai 2009

28.5.09 John und das Goldene Dreieck

(Von diesem Teil der Reise habe ich momentan leider keine Bilder, weil die Speicherkarte meines Photoapparates spurlos verschwunden ist.)

Der Vormittag war für einen Ausflug nach Burma (Myanmar) reserviert. Ich konnte damit mein Visum um zwei Monate verlängern und den Rest der Gruppe lockte der Markt jenseits der Grenze. Im Büro der Grenzpolizei wollte ich eigentlich einen Witz machen, weil dort zwei Uhren hängen. Die eine zeigt korrekt die Uhrzeit Myanmars an, während die für die Thailändische Uhrzeit vorgesehene Uhr offenbar stehen geblieben ist. Doch ich hatte den Eindruck, die Grenzpolizisten hätten diesen Scherz nicht verstanden und weil ich bisher nichts Gutes vom Militär Myanmars gehört habe, verzichtete ich auf den Spass.

Auf der anderen Seite der Grenze empfingen uns sehr aufdringliche Händler und boten uns Zigaretten, Viagra und andere Köstlichkeiten an. Mit unfreundlichem Gesicht und unmissverständlichen Gesten hielt ich mir die Kerle vom Leib. Doch da Winai offenbar eine Spur Interesse ausstrahlte, folgten uns drei geschäftstüchtige Herren aus Schritt und Tritt. Weil mich das nervte und ich nicht ständig auf mein Geldbeutel aufpassen wollte, trennte ich mich von den Thais und erkundige den Markt alleine. Die vielen gefälschten „Markenartikel“ und kopierten Datenträger interessierten mich jedoch nicht besonders, weshalb ich mich hauptsächlich auf dem Früchte- und Gemüsemarkt aufhielt.

Gegen Mittag fuhren wir zum Dreiländereck zwischen Myanmar, Laos und Thailand. An diesem Ort, der als „Goldenes Dreieck“ touristisch vermarktet wird, findet man ein paar Shops, Ressorts und Boote, mit denen man sich auf dem Mekong herumfahren lassen kann.

Unser Ziel war das Anantare Resort & Spa Luxusressort (http://goldentriangle.anantara.com/). Hier betreibt John, der Engländer, welchen wir in Lamphang kennen gelernt hatten, ein Elephantencamp. Er hatte die ganze Gruppe zu einem Mittagessen und anschliessenden Besuch seiner Elefanten eingeladen.

Weil John noch in Chiang Rai war, besuchten wir den Aussichtspunkt mit den Shops am Dreiländereck und warteten anschliessend im Restaurant des Ressorts auf unseren Gastgeber. Das Restaurant ist so edel und die Preise sind dort so hoch, dass sich meine Mitreisenden nicht wohl fühlten. Anstatt wie sonst fröhlich zu plaudern, sassen alle schüchtern auf ihrem Stuhl und wechselten nur wenige, fast geflüsterte Worte. Mir selber gefiel die Anlage ausgesprochen. Alles vom Feinsten und geschmackvoll arrangiert und das Essen war köstlich.

VonJohn erfuhr ich einiges über das Geschäft mit Elefanten und über die politische Situation im Land. Während sich viele Elefantencamps redlich um ihre Elefanten kümmern, gibt es offenbar auch schwarze Schafe, welche Elefanten aus Myanmar importieren und z.B. in Bangkok bettelnd durch die Strassen ziehen lassen. Leider sind letztere politisch sehr einflussreich und können wirksame Massnahmen gegen solche Praktiken verhindern. Auch das Zertifizierungsmodul, welches Surachit mit seinen Leuten ausarbeitet, droht deshalb in einer Schublade des Auftrag gebenden Amtes zu verstauben. Es ist also zu hoffen, dass es den seriösen Elefantencamps, die ausgearbeiteten Standards durch zu setzen.

Neben dem kommerziellen Angebot von Elefanteausritten betreibt John noch Elefanten-Asyl. Hier leben Tiere, denen Menschen Übles angetan haben. Einer wurde z.B. in Bangkok von einem Auto angefahren und ein anderer musste zur Freude Schaulustiger jeden Abend eine Flasche Whisky trinken. Gemäss John trinken übrigens alle Elefanten sehr gerne Alkohol.

Nach diesem Besuch traten wir die Heimreise an und fuhren noch ca. vier Stunden Richtung Süden, bis wir in einem Hotel übernachteten. Während der Fahrt schauten wir uns zwei DVD’s mit den neusten Spielfilmen an, die Om für wenige Franken in Myanmar erworben hatte.

27.5.09 Qualitätskontrolle

Als erstes machte ich heute endlich den ersehnten Sprung in den Pool. Danach begab ich mich zum Frühstücksbuffet und gönnte mir Toastbrote und die inzwischen ausgetüftelte Mischung aus Löskaffee, Schokolade- und Milchpulver. Als meine Reisegefährten eintrafen, gab es erst einmal Gemeckertes. Surachit dachte, ich komme nach dem Schwimmen erst einmal zum gemeinschaftlichen Autopacken und Phon beschwerte sich darüber, dass ich die Klimaanlage von 20 auf unmenschliche 28 °C hochgeschraubt hatte. Er sei völlig verschwitzt aufgewacht.

Am Vormittag bildeten wir zwei Gruppen, die zwei verschiedene Elefantcamps besuchten, um dort den Bewertungsbogen zu testen.

Die Anlage, welche Surachit, Kiri und ich besuchten, machte zuerst gar keinen guten Eindruck. Im Uferbereich eines Bachs standen gut ein Dutzend angekettete Elefanten umgeben von Gestrüpp und Trampelpfaden. Daneben sah man einige teilweise recht verlotterte Hütten, zwischen denen ein paar junge, verschlafene Thais herumlungerten. Mit zwei dieser Jungs begann Surachit seien Bewertungsbogen auszufüllen. Restaurant? Nein. Toilette? Ja, aber auf der anderen Flussseite? Stall? Nein ... Mir schien das Ganze ein abstossendes Beispiel dafür, wie man solche Camps nicht betreiben sollte und ich fragte mich, wer hier überhaupt dafür bezahlt, Elefanten an zu schauen.


In einer Interviewpause wies Surachit auf den Elefanten hinter uns, der etwas abseits der anderen Tiere angekettet war und meinte, so sehe ein glücklicher Elefant aus. Ich war etwas überraschet, denn ich hatte die wippenden Bewegung des Tieres eher als Symptome einer psychische Störung wegen Unterbeschäftigung gedeutet.


Kurz darauf tauchte eine Thailänderin auf, die einen sehr aufgeweckten Eindruck machte. Sofort zogen sich die Jungs zurück und überliessen ihr das Interview. Sie führte uns auf die andere Seite des Bachs, zeigte uns die einfache aber saubere und hübsch gestaltete Toilette und erklärte ruhig und freundlich, wie das Camp funktioniert.

Es schmückt sich damit, die einzige Elefantenfarm Thailands zu sein (www.pataraelephantfarm.com). Das heisst, hier werden Elefanten gezielt verpaart, um Nachwuchs für die vielen Elefantencamps zu züchten. Daneben – ich nehme an es ist die Haupteinnahmequelle – können Touristen einen Tag mit den Elefanten verbringen.



Wenig später tauchte auch eine solche Gruppe auf. Rund ein Dutzend, mehrheitlich hellhäutiger Leute wurden erhielten zuerst einen sehr guten Vortrag über die Geschichte der Domestizierung von Elefanten in Asien und deren Bedeutung für die Geschichte Thailands. Dann wurden die Elefanten zugeteilt, mit Bananen begrüsst und das Reiten geübt.


Bevor die Gruppe in Einerkolonne im Wald verschwand, erhielten die Tiere ein ausgiebiges Bad im Bach.


Als wir das Camp schliesslich verliessen, fiel mein Urteil deutlich positiver aus, als in der ersten halben Stunde unseres Besuchs. Offenbar ist es gar nicht so einfach, gute von schlechten Camps zu unterscheiden. Deshalb soll auch diese Zertifizierung durchgeführt werden.

Die Fahrt zur anderen Gruppe dauerte fast eine Stunde. Sie waren in einem der grösseren Camps nördlich von Chiang Mai (www.elephanteco.com). Dort wurde uns ein einstündiger Ausritt offeriert.



Danach bedankten wir uns freundlich beim Gastgeber und fuhren weiter nach Norden, bis an die Birmesische Grenze bei Mae Sot. Das Hotel war diesmal schnell gefunden, dafür dauerte die Fahrt zur Suche eines Restaurants umso länger. Schliesslich landeten wir in einem Karaoke Restaurant. Nach dem Essen sang Winai ein paar Lieder, die er mir widmete und natürlich wurde auch ich aufgefordert, auf die Bühne zu gehen.


Listig stellte ich die Bedingung, dass zuerst eine der Damen einen Auftritt wagen müsse und diese waren plötzlich sehr müde, weshalb wir bald zurück in Hotel gingen.

25. – 26.5.09 Thai elephant conservation center

Morgens um 7 Uhr erreichte ich wie verabredet das Büro von Surachit, wo in der folgenden halben Stunde auch meine Reisegefährten für diese Woche eintrafen: Surachit, drei Kollegen Kiri, Phon, Winai, drei Kolleginnen Om, Jui, Tim und der Fahrer ein.


Wir fuhren mit einem Van Richtung Norden. Erstes Reiseziel war das Thai elephant conservation center in Lampang süd-östlich von Chiang Mai (www.thailandelephant.org). Dort trafen wir den Leiter des Centers, den dort angestellten Tierarzt, eine Vertreterin einer Organisation für den Schutz von Elefanten und einen Engländer in Begleitung von zwei Thailänderinnen. Ziel der Sitzung war es, einen Katalog mit Kriterien für die Zertifizierung von Elefantencamps in Thailand zu überarbeiten, welche das Team von Surachit zusammengestellt hat.


Frustriert stellte ich fest, dass ich die thailändische Sprache immer noch nicht genug gut verstehe, um solchen Diskussion zu folgen. Deshalb gönnte ich mir nach der Kaffeepause einen Rundgang durch das Camp.

Ein Teil der rund 60 Elefanten werden hier für eine Show eingesetzt, bei der ihre Fähigkeiten beim Holztransport demonstriert wird und einzelne Tiere ihre angeblichen künstlerischen Fähigkeiten mit (andressiertem) Malen und Musizieren unter Beweis stellen müssen.



Natürlich kann man sich auf einen Elefantensattel setzen und durch die Gegend reiten. Spezieller ist hier er Einsatz von Elefanten zur Therapie von autistischen Kindern werden. Wer mehr Erfahrungen mit Elefanten machen will, kann ein- bis zehntägige Kurse (Homestays) buchen, in denen der Umgang mit Elefanten gelehrt wird.

Elefanten sind schlechte Futterverwerter. Sie vertilgen täglich rund 250 kg und produzieren daraus dieselbe Menge faserrreichen Kot. Bei 60 Tieren kommen dermassen grosse Mengen zusammen, dass das Management einiges einfallen liess, um aus diesem Abfall ein handelbares Gut zu machen. Ein grossteil des Kotes wird kompostiert und Sackweise als Dünger verkauft. Aus einem kleineren Teil wird als besonderes Souvenir Papier hergestellt.
Mit den Einnahmen aus diesen Aktivitäten (ein zehntägiger Homestay kostet ca. 35000 Baht) wird ein Spital für verletzte und kranke Elefanten finanziert.

Die Sitzung dauerte über drei Stunden, schien aber sehr konstruktiv zu verlaufen. Alle Anwesenden sind sich offenbar einig, dass eine vernünftige Zertifizierung im Interesse der seriösen Camps und der von ihnen gehalten Tiere ist.

Nach getaner Arbeit fuhren wir gemeinsam in ein Restaurant. Zu unserem Bedauern beschlossen der Engländer und sein Team allerdings, gleich in ihr Hotel zu fahren. In guter Stimmung wurden fleissig diverse Köstlichkeiten bestellt. Spasseshalber wurde dem Falang (mir) ein Gericht mit Krokodilfleisch angeboten. Neugierig auf dessen Geschmack nahm ich dankend an. As ich dann einen Schluck vom bestellten Ananasdrink nahm, stellte ich fest, dass mir statt dessen Bier mit Eis serviert wurde. Es war nicht das einzige Bier heute Abend und ich konnte feststellen, dass die Thais – entgegen den Behauptungen eines Freundes – unsere Witze sehr wohl verstehen. Jedenfalls konnte ich mit dem Leiter des Elefantcamps mithalten, wenn es darum ging, die Gesellschaft zum Lachen zu bringen.

Am nächsten Tag wurden in einer weiteren Sitzung die überarbeiteten Standards mit den Vertretern eines halben Dutzends weiterer Elefantcamps. Wieder wurde lange aber konstruktiv über Themen wie maximale Arbeitszeiten, die Notwendigkeit eines Stalles, Versicherungspflicht usw. Der Engländer – sein Name ist John – spielte dabei eine besonders aktive Rolle. Er verstand offenbar die thailändischen Voten, sprach aber selber recht rücksichtslos in sehr schnellem Englisch, weshalb ihn viele der Anwesenden nicht verstanden.

Nach einiger Zeit setzte ich mich wieder ab, schaute mir die Elefantenshow und die Papierproduktion an und studierte ein paar Seiten in meinem Thai Lehrbuch.

Nachdem die Diskussion erfolgreich war, setzten wir uns wieder in den Van und fuhren weiter Richtung Norden. Denn am nächsten Tag sollen die Erhebung der Standards gleich in zwei verschiedenen Camps ausprobiert werden.

Nach einer längeren Suchfahrt entschied sich die Gruppe endlich, das Nachtlager in einem Ferienressort der unteren Preisklasse auf zu schlagen. Ich freute mich besonders auf einen Sprung in den Pool, denn seit der ersten Woche in Thailand hatte ich keine Gelegenheit mehr dazu.


Doch zuerst wurde ausgiebig gegessen. Danach erklärte ich Om das Programm, welches ich ihr und ihrem Mann zusammengestellt hatte für die Sechs Stunden, welche sie nächste Woche in Zürich verbringen werde. Beim anschliessenden Lesen meiner E-Mails erfuhr ich von den Freunden in Hat Yai, dass Surachit in einem Thailändischen Internetforum einen Bericht über unsere erste Reise veröffentlicht hat (http://www.siamensis.org/board/12190.html). Und aus der Schweiz erreichte mich die erfreuliche Nachricht, dass ich nächstes Jahr einen Freifachkurs Therrarienkunde durchführen kann. Das Beantworten der E-Mails und mein Blog brauchten so lange, dass ich das Schwimmen auf morgen verschob und in mein Zimmer ging, in welchem bereits kräftig geschnarcht wurde.

Donnerstag, 28. Mai 2009

24.5.09 Wellness bis zur Erschöpfung

Bereits um fünf Uhr trieb mich der Tatendrang aus dem Bett. Erst an der Skytrain Station merkte ich, weshalb die Taxifahrer ungewöhnlich aufdringlich waren. Der erste Zug fährt erst 5.55 Uhr. Ich nutzte die Wartezeit für ein kleines Frühstück, das ich bei 7 eleven (omnipräsenter Detailhändler) kaufte.

Mein Fitnessprogramm begann mit dem Ausfüllen eines Formulars, in dem wieder die selben persönlichen Daten wie Jahresgehalt oder private Telefonnummer verlangt werden, die ich gestern schon nicht oder nicht korrekt angegeben hatte. Dann folgte eine Analyse von Muskel-, Fett- und Wasserverteilung in meinem Körper. Nun habe ich es schwarz auf weiss: Zuviel Muskeln und zuviel Fett. Insgesammt sollte ich 12 kg leichter sein. Auch der anschliessende Fitnesstest bewies, dass ich dringend ein intensives Workout brauche.Sogleich stellte mir der freundliche Trainingsberater ein Trainingsprogramm zusammen und führte mich sorgfältig in den Gebrauch der dafür benötigten Geräte ein.

Nach der schweisstreibenden Schinderei – MANN will sich schliesslich keine Blösse geben und die vernichtenden Testergebnisse durch lockeres Absolvieren des Programm Lügen strafen – meldete ich mich im Spa-Bereich für die bestellte Fussmassage. Diese war zwar nicht so toll wie bei meiner Mutter (praktiziert seit vielen Jahren als Fussreflexzonen-Therapeutin) aber doch recht angenehm.

Entspannt zog ich weiter in die Yoga-Abteilung, wo ich an einer einstündigen Einführung ins Hata-Yoga teilnehmen konnte.

Nach einer langen Mittagspause in meinem Zimmer, gönnte ich mir noch eine zweistündige in einem sauberen und dennoch günstigen Massagesalon, in welchem Mann sogar von einem Kerl massiert wird. Völlig erschöpft von so viel Wellness und in Erwartung einer aufregenden Woche mit Surachit verkroch ich mich recht früh in meinem Bett.

23.5.09 Chatuchak

Heute war ein Ausflug in den grossen Wochenendmark Chatukak im Norden der Stadt fällig. Dieses Labyrinth aus kleinen, überdachten Geschäften und Marktständen bietet eine überwältigte Vielfalt an Waren an. Das Angebot reicht von Second-Hand Kravatten bis zu schweren Brunnenfiguren.



Nach einer halben Stunde wollte ich mich bereits zurück ziehen. Wir Kerle sind einfach nicht dazu geschaffen, ewig an Ständen mit Frauenkleidern in Kindergrösse vorbei zu laufen. Doch dann geriet ich in die Handwerkerabteilung, zu den Haustieren, Duftständen und fand sogar eine hübsche Hose in meiner Grösse und einen edlen Ledergurt zu unverschämt tiefem Preis (ob er wirklich aus Leder ist, kann ich allerdings nicht mit Sicherheit sagen). So verstrichen drei weitere Stunden, bis ich – nach längerem Suchen und wiederholten Fragen – wieder zum Ausgang zurück fand.

Was ich in der Heimtierabteilung sah, könnte einem übrigens die Freude an der Terraristik verleiden lassen. Angesichts der haarsträubenden Behandlung der teilweise geschützten Tiere, welche hier feil geboten werden, sollte die Schweizer Tierschutzfront hier einmal eine Aktion durchführen. Ich machte zwei Photos für den Terraristikkurs, den ich im nächsten Schuljahr durchführen darf und verliess ich diesen Sektor rasch wieder, weil das Interesse der Touristen an diesen Ständen andere Geschäfte zur Nachahmung animieren kann.


Am Nachmittag suchte ich lange nach einem günstigen Internet-Kaffee und einem Massagesalon, in welchem preiswerte traditionelle Thaimassage angeboten wird. Dabei geriet ich auch in den Fitnesstempel von True Spa und sah dort eine Tafel, auf welcher eine einmonatige Mitgliedschaft mit Zugang zu den Fitnessräumen inklusive 4 Massagen und Yogakurs für 1000 Baht angeboten wird. Nach einem Beratungsgespräch mit einer hübschen und sehr freundlichen Dame, legte ich den geforderten Betrag auf den Tisch und machte meine Unterschrift unter den hingehaltenen Vertrag.

Natürlich erfuhr ich die Tücken des Angebots erst danach. Die Massagegutscheine reichen für 4 halbstündige Fussmassagen. Anmeldung am Vortag. Weitere Massagen sind ab 2000 (!) Baht erhältlich. Aber dafür erhalte ich gratis eine Instruktion für den Fitnessbereich, welche ich gleich auf Sonntag morgens um 8 Uhr buchte.

Weil im Fitnessbereich Sportkleidung obligatorisch ist, musste ich noch rasch ein Paar Turnschuhe kaufen. Samstag Abend um halb neun – da drängen sich die grossen Zentren beim Siam Square auf. Im Paragon wurde ich auch wirklich fündig. Dank 50% Rabatt wegen Ausverkauf erhielt ich für 2600 Baht (Wochenlohn eines Fabrikarbeiters) ein feines Paar Marken-Turnschuhe.

WARNUNG: Der nächste Abschnitt kann ihre religiösen Gefühle verletzen. Entscheiden sie bitte vor der Lektüre, ob sie sich das antun wollen.

Abends im Bett überkam mich eine mächtige Welle Traurigkeit. Diese Welt ist unheimlich ungerecht. Und wenn es einen Gott gibt – was ich für sehr unwahrscheinlich halte – dann möchte ich ihm lieber nicht über den Weg laufen, denn wer hinschaut sieht, dass „sein“ Werk nicht gut ist. Bloss weil ich in der Schweiz geboren wurde, etwas Glück hatte und ein paar mal die richtigen Entscheidungen traf, habe ich all diese Möglichkeiten, kann mich fast jederzeit in klimatisierte Räume zurückziehen und werde im Ernstfall in die sichere Heimat evakuiert und dort notfalls für den Rest meines Lebens fürsorglich gepflegt. Und weshalb muss dann nebenan ein Mensch mit abgefaulten Fingern bettelnd am Strassenrand liegen? Und warum erhalten die Wanderarbeiter dort drüben für über zwölf Stunden Arbeit pro Tag, sieben Tage pro Woche weniger Geld, als ich heute ausgegeben habe? OK – tief durchatmen, lächeln und weiter gehen. Vielleicht kann ich ja meinen kleinen Beitrag für eine gerechtere Welt noch leisten.

22.5.09 Die Varane in Lumpini

Als ich ihm stolz mein mittelmässiges Photo eines halbwüchsigen Bindenvarans (Monitor salvator) zeigte (https://blogger.googleusercontent.com/img/b/R29vZ2xl/AVvXsEi96BBQPGRJ7tOC5ktScUl-jXfIEirXTWgTppA5tm-kbD3WVlbK83P76x-oL6_5vlwE4YlqCMK9qL-v6aGceFIB2JjfzBfuvVqkasyJlmSo8gNdYhTW2IunNvl69vem-vZO7TzzIFKRnuk/s320/IMG_4595.jpg), erklärte mir Paul, dass ich diese bis 2.8 m langen Echsen auch im Lumpini-Park mitten in Bangkok antreffen könne. Also beschloss ich, den heutigen Tag für eine Varanexkursion in einen der wenigen Stadtparks zu nutzen.

Der Lumpini-Park ist ein toller Ort. Sein Eingangsbereich zeigt mit voller Wucht die Vielfalt Thailands:



Innen idylische Pfade in einer schattigen Parklandschaft mit gemütlich frühstückenden Leuten. Drum herum der röhrende Lärm und erstickende Gestank des Verkehrs und emsig zu Arbeit strebende Menschenmassen.


Hier grüne Wiesen, Palmen und kleine Holz-Häuschen im traditionellen Baustil. Dahinter moderne Hochhäuser mit mehr oder weniger phantasievollen Formen.

Und dann sah ich den ersten Drache: Wenige Schritte vor mir entfernt lag ein ca. 2 m. langer Varan am Ufer eines Teiches. Ich zückte meine Kamera und pirschte mich vorsichtig an ihn heran.


Dabei nutzte ich geschickt die Deckung der Bäume, bis mich ein Mann mit Gesten darauf aufmerksam machte, dass am Baumstamm 1 m über mir ein zweiter Varan darauf wartet, dass ich den Weg zum Ufer frei gebe.


Während den nächsten drei Stunden entdeckte ich ohne Suchen ein Dutzend Tiere. Offenbar brauchen sie sich vor den Menschen nicht zu fürchten. Denn sie haben eine Fluchtdistanz von ca. zwei Metern und überqueren hemmungslos auch stark frequentierte Wege. Dabei weichen ihnen die Thais möglichst aus. Nur verwegene Männer verscheuchen sie manchmal mit Gesten und Lärm.


Surachit erklärte mir später, dass Varane in Thailand als Unglücksbringer gelten. Taucht einer im Haus auf, ist eine Reinigungszermenonie fällig. Zum Glück für die Varane, vermeidet man schlechte Vorsehung, indem man diesen Biestern aus dem Weg geht und nicht indem man sie tötet. Daher ist der Bindenvaran selbst in Bangkok häufig, während die Bestände in Indien angeblich stark gefährdet sind. Für Thais ist es schwer nachvollziehbar bis belustigend, dass Varane unter dem Schutz des IUCN stehen und dass es sogar Leute gib, die sie als Haustier halten.

Den Nachmittag nutzte ich für weitere Streifzüge und die Suche nach Kleidern und einem günstigen Internet-Kaffee. Dabei stellte ich wieder einmal fasziniert fest, wie schnell Ausserordentliches zur Normalität wird. Was mir in der ersten Woche noch den Atem verschlagen hat nehme ich heute als normalen Bestandteil meiner Umwelt war. Ausserdem fielen mir einige Gemeinsamkeiten zwischen Grosstadt und Dschungel auf. Beide sind auf ihre Weise schön und faszinierend und im Grunde doch sehr menschenfeindlich. Offenbar kann Mensch in beiden Biotopen überleben und manchmal sogar richtig Spass dabei haben.

Am Abend traf ich mich mit Chin und Yui für ein Nachtessen im Bayoke Tower. Yui stellte dabei mit einer Mischung aus Anerkennung und medizinischer Sorge fest, dass sich mein Bauch in den vergangenen Wochen erheblich verkleinert hat.

Chin zeigte mir stolz ein Interview aus einer Amerikanischen Onlinezeitung für Börsenmakler, in welchem er als erfolgreicher Broker über seine Strategie Auskunft gibt. Als Belohnung für die guten Geschäftsabschlüsse kann er das kommende Wochenende auf Kosten seiner Firma in Pattaya verbringen.

Sonntag, 24. Mai 2009

21.5.09 Treffen am TISTR

Heute verabschiedete ich mich morgens um 6 vom Biosphaerenreservat Sakaerat. Ich konnte mit einem Mitarbeiter der Station nach Bankok fahren. Er brachte mich zum Hauptquartier des TISTR . Dort bereitete man sich gerade eifrig auf ein Wochenende der offenen Tueren vor. Auch eine Gruppe vom Sakaerat war anwesend und installierte mit mitgebrachten Topfflanzen und anderen Ausstellungsgegenstaenden einen kleinen Wald.

Ich konnte mich in einen Computerraum zurueckziehen und dort meine letzten Blog-eintraege schreiben.

Am Mittag holte mich der Fahrer wieder ab und nahm mich mit in ein Strassenrestaurant, in welchem mir ein hervorragendes Schweinssteak serviert wurde.

Dann kam der Programmpunkt, wegen dem ich ueberhaupt schon nach Bangkok musste. Miss Peesamai Jenvanitpanjakul eine der Vice Gouverner des TISTR empfieng mich fuer eine Audienz.


Mit Shorts - alle anderen trugen korrekte knoechellange Hosen - und der entschuldigenden Erklaerung, dass meine gute Hose im Urwald etwas arg gelitten habe - betrat zusammen in Begleitung von Surachit ihr Buero. Wir unterhielten uns recht ungezwungen ueber Thailand, die Schweiz, die Arbeit des TISTR und mein Sabbatical. Schliesslich kamen wir zur entscheidenen Frag, was ich fuer das TISTR und Surachit als Gegenleistung fuer die Einladung machen werde.

Natuerlich erklaerte ich mich breit, vor der versammelten Belegschaft einen kleinen Vortrag zu halten. Dass ich SchuelerInnen viel
Gutes ueber Thailand erzaehlen werden, konnte ich ohne Vorbehalte versprechen und die Idee eines Treffens zwischen Schweizer und Thailaendischen Schuelern versprach ich unverbindlich im Hinterkopf zu behalten.

Nach der offenbar zufriedenstellenden Audienz fuhr mich Surachit zu seinem Buereau, das ca. 40 km (!) vom Hauptquartier entfernt ist. Dort machte er mich mit einem Kollegen (Photo and name comming soon)bekannt, welcher ein ausserordentlich engagierter Botaniker ist. Er ist praktisch jedes Wochenede an irgend einem interessanten Ort in der Vegetation unterwegs. Distanzen von 800 km sind dabei fuer einen Wochenendtrip kein Hindernis. Auf meine Frage, wie der das schaffe, meinte er, in seinem Alter brauche man nicht mehr so viel Schlaf und ausserdem koenne er sich auf seinen Ausfluegen praechtig erholen. Jedenfalls bot er mir an, mich auf einen solchen Wochenendausflug mit zu nehmen und passte sein Programm sogar meinen Wuenschen an.

Anschliessend mietete ich mir mitten in der Stadt - neben dem National Stadium - ein guenstiges Zimmer und streifte noch etwas durch die Stadt.